Arbeitsmigration nach Bremen und Gröpelingen

Geschichte der Arbeitsmigration nach Bremen und in den Stadtteil Gröpelingen

Aufgrund des anhaltenden Wirtschaftswunders in Deutschland entwickelte sich in den 1950er Jahren ein Arbeitskräftemangel, den das Land mit der Suche nach Erwerbsfähigen auf dem inländischen Markt nicht mehr decken konnte. Der Staat begegnete dieser Situation mit der Vereinbarung der sogenannten „Anwerbeabkommen“ mit mehreren süd-, südosteuropäischen, nordafrikanischen Ländern, Südkorea und der Türkei. Der Vertrag zum Anwerbeabkommen zwischen dem Bosporus-Land und Deutschland wurde 1961 geschlossen. Infolgedessen zog es viele der sogenannten „Gastarbeiter“ zum Arbeiten nach Deutschland (vgl. Büchert & Burkhardt 2014) – und damit auch nach Bremen und besonders in den Stadtteil Gröpelingen (vgl. Dünzelmann 2005: 51f.).

 

Wirtschaftliche Situation

Bremens spezifische wirtschaftliche Struktur in der Nachkriegszeit begründet die vergleichsweise zunächst wenig ausgeprägte Anwerbung von Arbeitsmigrant*innen. Der Einsatz von migrantischen Arbeitskräften in die lokal dominierenden Wirtschaftsbereiche wie die Hafenwirtschaft, den Dienstleistungssektor, Handel und Verkehr gestaltete sich schwierig. Arbeitsmigrant*innen waren für den industriell-gewerblichen Bereich vorgesehen, der in Bremen schwächer ausgebildet war als in anderen Regionen Deutschlands. Außerdem bemühte man sich besonders in der Hafenwirtschaft darum, vornehmlich Arbeitskräfte aus dem Umland und strukturschwachen Regionen anzuwerben, als auf Arbeitsmigrant*innen zurückzugreifen. Auch der überraschende Konkurs des Automobilherstellers Borgward bescherte dem lokalen Arbeitsmarkt über 20.000 Arbeitskräfte, die zum größten Teil innerhalb eines Jahres eine neue Anstellung fanden (vgl. Determann 2017).

 

Arbeitsmarktzahlen

Bis in die 1970er Jahre blieb die Anzahl der in Bremen beschäftigten Arbeitsmigrant*innen gering. Im Jahr 1956 kamen 82.500 ausländische Arbeitskräfte nach Deutschland, von denen sich weniger als ein Prozent (757 Personen) in Bremen ansiedelte. Bis 1965 stieg die Zahl der jährlichen Zuzüge deutschlandweit auf 716.000 Personen an, wovon etwa zwei Prozent (6.400) auf die Hansestadt entfielen. Damit befand sich Bremen weit unter dem Bundesdurchschnitt, verzeichnete in den Folgejahren jedoch wachsende Beschäftigungszahlen von ausländischen Arbeitskräften. Um das Jahr 1967 lösten türkische Migrant*innen (1093) Italiener*innen (921), Griech*innen (896) und Spanier*innen (826) als größte Gruppe von Personen mit Migrationshintergrund in Bremen ab. Die Zahl der Türkischstämmigen stieg ab 1966 um das Doppelte auf über 2.000 Personen an, während die der anderen Nationalitäten nur moderat zunahm. Bremen verzeichnete von 1968 bis 1973 einen steilen Anstieg der eingewanderten Beschäftigten, um genau zu sein ein Plus von 104 Prozent, was einer Summe von 16.300 Personen entsprach. Insgesamt stieg der Anteil ausländischer Beschäftigter von 0,7 Prozent (2.300 Personen) im Jahr 1961 auf 6,2 Prozent im Jahr 1973 an. Nach dem Anwerbestopp wuchs die Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf 32.000 Personen an, was einem Anteil von 5,5 Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt Bremen gleichkam (vgl. Determann 2017).

Der überwiegende Anteil türkischer Arbeitsmigrant*innen in der Hansestadt lässt sich mit den positiven Erfahrungen, die der Mutterkonzern der AG Weser, Krupp im Ruhrgebiet, mit türkischen Arbeitskräften gemacht hatte, erklären. Sowohl Krupps Tochterunternehmen als auch die Klöckner-Stahlwerke stellten hauptsächlich Arbeitsmigrant*innen jener Nationalität ein. Die AG Weser-Werft schickte eigene Mitarbeiter nach Istanbul, um vor Ort für den Schiffbau taugliche Angestellte auszuwählen oder in Schnellkursen anzulernen. Den Einsatz von Arbeitsmigrant*innen begannen beide Unternehmen relativ spät. Als viele italienische und spanische Arbeitskräfte Deutschland aufgrund des Wirtschaftsaufschwungs in ihren Heimatländern bereits wieder verlassen hatten, warben die Firmen Türk*innen und Jugoslaw*innen an (vgl. Determann 2017). Somit überwogen diese Nationalitäten in den Bremer Statistiken: Zwischen 1976 und 1978 stammten von insgesamt 32.094 Zugewanderten 21.578 aus der Türkei und 4.359 aus Jugoslawien. Im Jahr 1980 verzeichneten die Stadtteile Gröpelingen und Neustadt, die ursprünglich Arbeiterviertel gewesen waren, die höchsten Zuwachsraten (60 Prozent und 30 Prozent). Den stadtweit größten Anteil dabei stellten mit 50 Prozent Migrant*innen aus der Türkei (vgl. Dünzelmann 2005: 51f.).

 

Unterbringungsmaßnahmen

Für die Unterbringung der neuen Arbeitskräfte waren die Unternehmen selbst zuständig, was hinsichtlich der schwierigen Lage auf dem Bremer Wohnungsmarkt für viele Firmen ein großes Problem darstellte; nach dem Krieg wurde hauptsächlich in den wirtschaftlichen Wiederaufbau investiert, während der Wohnungsbau auf der Strecke blieb. Ab 1961 bot die Bundesanstalt für Arbeit Kredite zum Umbau oder Neubau von Unterkünften an, um der prekären Situation entgegenzuwirken (vgl. Determann 2017).

Die Anwerbeabkommen diktierten strenge Vorschriften für Wohnraummindestgrößen und Ausstattung (10 Kubikmeter Luftraum pro Person, maximal sechs Personen pro Zimmer), Verstößen folgten allerdings keine Sanktionen. Auf der Suche nach geeignetem Wohnraum mussten die Arbeitsmigrant*innen direkt mit deutschen Interessent*innen konkurrieren. Oftmals blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich mit den Angeboten abzufinden, die für Deutsche als nicht vermietbar galten (vgl. Determann 2017).

In Burglesum beispielsweise entstanden mehrere Fertigheime der AG Weser. Jedes der vier Wohnheime enthielt zwölf Vierbettzimmer, ein Zweibettzimmer, eine Küche, einen Aufenthaltsraum, vier Toiletten, Duschen und Waschvorrichtungen. Als die Gebäude 1972 bezugsfertig waren, boten sie 91 Türken und 30 Jugoslawen eine neue Unterkunft. Wenige Jahre später wurde die Anlage aufgegeben bzw. für andere Wohnzwecke genutzt (vgl. Dünzelmann 2005: 51).

Die Bremer Wollkämmerei in Blumenthal gestaltete ihre ehemaligen Ledigenheime in der George-Albrecht-Straße zu Werkswohnheimen um und errichtete darüber hinaus neue Unterkünfte. Das Unternehmen stellte auch Ehepaare ein, deren Unterbringung sich als schwierig erwies, da die Auflagen eine getrenntgeschlechtliche Unterbringung vorschrieben. Die BWK gründete daraufhin ein eigenes Wohnheim ausschließlich für Ehepaare. Die Unterbringung von Kindern war in den Heimen hingegen strikt verboten. Die italienischen Arbeitsmigrant*innen der BWK stellte man vor die Wahl, mit ihren Kindern in ihr Herkunftsland zurückzukehren, sie in ein Kinderheim zu geben, wofür das katholische St. Theresienhaus in Vegesack vorgesehen war, oder sich privat als Untermieter*innen eine Wohnung zu suchen (vgl. Determann 2017).

Auch der Bremer Vulkan baute auf dem Werksgelände, in unmittelbarer Nähe zum Betrieb und im Bremer Umland Wohnheime, die mit Moscheeräumen ausgestattet waren (vgl. Dünzelmann 2005: 51).

Da der Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften konstant blieb, verschärfte sich die Lage auf dem lokalen Wohnungsmarkt zusehends. Erst mit dem Bau der Neuen Vahr im Jahr 1957 begann man, größere Summen für den sozial geförderten Wohnungsbau einzusetzen. Währenddessen machten sich die Firmen auch selbst auf die Suche nach geeignetem Wohnraum für ihre Angestellten. Attraktiv erschienen größere Einheiten für mehrere Arbeitsmigrant*innenpaare, Unterkunftsbaracken und selbst vor der Unterbringung auf Parzellen schreckte man nicht zurück. Ab Mitte der 1950er Jahre sorgte die bremische Baubehörde jedoch für die Abschaffung solch notdürftiger Unterkünfte. Resultat dessen war die Umsiedlung der Bewohner*innen in feste Wohnungen oder Eigenheime. Im Jahr 1962 ordnete die Deputation für das Bauwesen den Abriss der noch bestehenden 30 Wohnlager und ihrer 210 Baracken an. Die ca. 3.700 Bewohner*innen wurden in feste Wohnungen auslogiert (vgl. Determann 2017).

Die Barackenunterkünfte der AG Weser am Halmerweg in Gröpelingen blieben noch bis 1980 bestehen und von Arbeitsmigrant*innen bewohnt. Im Zweiten Weltkrieg waren dort Ostarbeiter*innen, französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter untergebracht worden. Nach Kriegsende quartierte die Stadt dort wohnungslos gewordene Familien, Flüchtlinge und elternlose Kinder und Jugendliche ein. Auch die Veranstaltungen des „Roxy“, eine der ersten Nachkriegsvergnügungsstätten in Gröpelingen, fanden zwischenzeitlich in den Barackenbauten statt.
Die Massenunterkünfte hatten eine zusätzliche Stigmatisierung der ausländischen Arbeitskräfte zur Folge, da sie oft mit sozialen Randgruppen und Armut in Verbindung gebracht wurden (vgl. Determann 2017).

 

Unterstützung seitens der Kirchen und des Staates

Die Betreuung von Ein- sowie Auswanderern war für gewöhnlich in den Aufgabenbereich der kirchlichen Caritasarbeit gefallen, zu dem nun auch die Unterstützung der Arbeitsmigrant*innen zählte. Dazu teilten die katholische und evangelische Gemeinde die Zuwander*innen nach nationaler und konfessioneller Herkunft unter sich auf. Diese fragwürdige Gleichstellung von Nationalität und religiöser Überzeugung war ein typisches Merkmal der Zeit. Der Caritasverband Bremen kümmerte sich im Rahmen seiner „Missionen ausländischer Arbeitnehmer“ um Arbeitsmigrant*innen aus Italien, Spanien, Portugal und Kroatien, wohingegen sich die Innere Mission der evangelischen Kirche der Griech*innen annahm. Die Betreuung türkischer, jugoslawischer und nordafrikanischer Migrant*innen fiel später an die Arbeiterwohlfahrt.
An erster Stelle des Angebots stand seelsorgerische Betreuung. Dafür schickte die katholische Kirche eigenes Personal zur Schulung in die jeweiligen Herkunftsländer oder lud ausländische Geistliche ein, um sie Predigten abhalten zu lassen. Um die Freizeitmöglichkeiten auszuweiten, wurden des Weiteren Film- und Tanzveranstaltungen ausgerichtet und auch Gesprächs- und Begegnungsabende fanden regelmäßig statt. Auf diese Weise versuchten die Kirchen Kontakt zu den Arbeitsmigrant*innen herzustellen und waren an vielen Stellen die Ersten, die ihnen außerhalb der Arbeitsstelle Betreuungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten anboten (vgl. Determann 2017).

Neben dem Angebot der Kirchen hatte die Arbeiterkammer Bremen 1964 eine Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung ausländischer Arbeitnehmer eingerichtet (vgl. Dünzelmann 2005: 55), um die Betreuungsmaßnahmen der einzelnen Institutionen besser koordinieren zu können (vgl. Determann 2017). Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft waren in ihrem Gründungsjahr die Arbeiterkammer, der DGB, Arbeit und Leben (gewerkschaftlicher Bildungsträger), die Gewerkschaft Textil und Bekleidung, die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten, die IG Metall, die Innere Mission und die Arbeiterwohlfahrt. Später reihte sich auch der katholische Caritasverband in die Liste der Beteiligten ein. In diesem Verbund sammelten sich die zentralen Organe, die sich im Land Bremen mit den Bedürfnissen der Arbeitsmigrant*innen auseinandersetzten.
Die Eröffnung des „Klubraums der offenen Tür“ in der Gaststätte „Lüssumer Grund“ in Blumenthal kann als eine der ersten Betreuungsmaßnahme der Arbeitsgemeinschaft betrachtet werden. Dort fanden Arbeits- und Sozialberatungen, Staatsbürgerkunde und Sprachkurse statt und er stand allen Migrant*innen als Ort zur Freizeitgestaltung offen (vgl. Determann 2017). Über die Jahre kam eine Vielzahl weiterer betreuender und beratender Einrichtungen und Treffpunkte hinzu, zu denen u.a. das Centro Espanol In Bremen-Nord (1962), das türkische Zentrum in Findorff (1966) und die italienische Mission am Rembertiring (1969) zählten (vgl. Dünzelmann 2005: 56).

Im Juni 1964 widmeten sich landesweit erstmals die SPD-Betriebsgruppen den Belangen der bis zu diesem Zeitpunkt noch befristet Beschäftigten. Über die kirchlichen und staatlichen Angebote hinaus begannen sich die Arbeitsmigrant*innen auch selbstständig in Vereinen und Treffpunkten zu organisieren. Beispielhaft dafür ist die „Griechische Gemeinde in Bremen und Umgebung“, die im Jahr 1964 600 Mitglieder zählte (vgl. Determann 2017).
Angesichts der zunehmenden Anzahl türkischer Arbeitsmigrant*innen wurde 1966 ein weiteres Betreuungszentrum in Findorff eingerichtet, das von der Arbeiterwohlfahrt verwaltet und kurze Zeit später jedoch ins Ostertorviertel verlegt wurde. In Zusammenarbeit mit dem „Verein für türkische Arbeitnehmer“, der von 1963 bis 1980 bestand, und einem hauptberuflich beschäftigten türkischen Mitarbeiter wurden Bildungsangebote wie beispielsweise Türkisch-Sprachkurse für Kinder in das Programm aufgenommen (vgl. Determann 2017).

Des Weiteren wurde 1983 der „Dachverband der Ausländer-Kulturvereine in Bremen“ (DAB) gegründet, der sich aus 36 Organisationen mit 16 Nationalitäten zusammensetzte (vgl. Dünzelmann 2005: 81). Aus ihm ging später der Bremer Rat für Integration hervor. Eines der Mitglieder des DAB war das Zentrum für Migranten und Interkulturelle Studien e.V. (ZIS).

Bereits einige Jahre vor seiner Gründung hatten es sich sowohl zugewanderte als auch deutsche Gröpelinger Bürger zur Aufgabe gemacht, mit Migrant*innen in Kontakt zu treten, die von der Schließung der AG Weser-Werft und damit einhergehender Fremdenfeindlichkeit betroffen waren. Innerhalb der Bevölkerung herrschten Unsicherheit und gegenseitige Vorurteile, die es galt gemeinsam anzugehen. Die Initiative agierte damals zunächst unter dem Namen „Türkisch-Deutscher Gesprächskreis“ und widmete sich besonders Türk*innen, die sich in Bremen niedergelassen hatten. Daraus formte sich im Jahr 1981/ 1984??? ein gemeinnütziger, eingetragener Verein (vgl. Dartan & Eliş 2004: 7).

Ab Ende der 1970er Jahre setzte die Stadt Bremen vermehrt auf das Prinzip ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘, wobei der Aufgabenschwerpunkt auf „[…] sozialpädagogischen Betreuungsmaßnahmen und internationale[n] Begegnungen im Jugendbereich sowie [auf] einer verbesserte[n] Medienarbeit, de[m] Ausbau der Elternarbeit zur Bewältigung der Schulprobleme, [der] Vermittlung von heimatkundlichen Angeboten zur Stärkung des kulturellen Selbstbewusstseins [und der] Entwicklung zentraler und stadtteilbezogener Freizeit- und Kulturangebote […]“ (Dünzelmann 2005: 58) lag. An der Gestaltung dieses Angebotes sollten sich die Zugewanderten selbst aktiv beteiligen (ebd.). Der „Zweite Bericht zur Förderung von Selbsthilfe“ (Dünzelmann 2005: 58) für den Zeitraum von 1988 bis 1993 bestätigte den Erfolg des geplanten Konzept zur Eigeninitiative: Inzwischen hatten die Migrant*innen eigene Organisationen ins Leben gerufen und durch den Zuzug anderer Migrant*innengruppen war darüber hinaus eine noch vielfältigere Bandbreite an Gruppen entstanden (ebd.).

 

„Ausländererlass“ im Oktober 1983

Bremen verkündete im „Ausländererlass“ vom Oktober 1982 u.a., dass die BRD für die bis zum Anwerbestopp 1973 nach Deutschland immigrierten vorläufigen Arbeitsmigrant*innen inzwischen zu einem Einwanderungsland geworden sei. Deshalb solle die Integration im Zweifelsfall gefördert werden und bei Arbeitslosigkeit das auf ein Jahr befristete Recht auf entsprechende Leistungen greifen. Nach Ablauf der Frist musste der*die Betroffene nachweisen, dass er*sie für seinen*ihren und den Lebensunterhalt seiner Familie eigenständig und ohne Unterstützungen aufkommen können würde.

Da der Konkurs der AG Weser den Bremer Arbeitsmarkt plötzlich mit einer hohen Anzahl unverschuldet arbeitslos gewordener Menschen konfrontierte, wurde die Rechtsstellung zu Gunsten der Migrant*innen angepasst. Im März 1984 wurde in einer Ausländerreferentenbesprechung in Bremen beschlossen, dass Arbeitsmigrant*innen, die im Zeitraum ihrer gültigen Arbeitserlaubnis ihre Anstellung verloren hätten, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden und folglich das gleiche Recht auf Arbeitslosenhilfe hätten wie ihre deutschen Kolleg*innen (vgl. Dünzelmann 2005: 45f.).

 

Heute: Gröpelingen ist bunt!

Wie erwähnt siedelten sich im Zuge des Anwerbeabkommens viele Arbeitsmigrant*innen in Gröpelingen an, die noch heute dort leben (Ortsamt West o.J.). Ende 2016 hatten 32 Prozent aller Gröpelinger eine andere als die deutsche Staatsbürgerschaft. Jede*r Vierte von ihnen besaß einen türkischen Pass. Viele der Bewohner sind inzwischen eingebürgert, sodass nahezu jede*r Zweite einen Migrationshintergrund hat; bei den Minderjährigen zählen sogar 72 Prozent zu dieser Gruppe. In jüngster Zeit zog es auch viele Bulgar*innen und Staatsangehörige anderer osteuropäischer Länder in den Bremer Westen (vgl. Sundermann 2017).

Besonders die türkische Community ist im Stadtteil präsent: Es gibt zahlreiche türkische Geschäfte, Ärzte, Rechtsanwälte, Friseure, Imbisse, Bäckereien, Handwerksbetriebe und den türkischen Sportverein „VATAN SPORT e.V.“, (vgl. Ortsamt West o.J.), der 1978 gegründet wurde. Aber auch arabische, deutsche und vom Balkan stammende Familien prägen das Bild (vgl. Beitzer & Hahn 2017).

Aufgrund der beschriebenen Umstände spielt interkulturelle Zusammenarbeit eine wichtige Rolle im alltäglichen Geschehen des Stadtteils. Diese basiert u.a. auf einer regen Netzwerkarbeit zwischen multinationalen Initiativen und Vereinen. Darunter befinden sich beispielsweise diverse themenspezifische Arbeitskreise, das Ortsamt West (vgl. Ortsamt West o.J.), die in Gröpelingen ansässigen Einrichtungen „Gesundheitstreffpunkt West“, das „Nachbarschaftshaus Helene Kaisen“, das Bürgerhaus Oslebshausen, die Stadtbibliothek West, und das Stiftungsdorf der Bremer Heimstiftung mit einer Tagespflege und den Kooperationspartnern „Aufsuchende Altenarbeit“, BHS, „Stiftung Friedehorst“, GIB, „Kinder Leben“, „Kultur vor Ort“,  VHS West, WaBeQ und ZIS (vgl. Bremer Heimstiftung o.J.). Alle genannten Gröpelinger Institutionen beschäftigen sich täglich mit dem interkulturellen Zusammenleben vor Ort, was per se als Förderung der Integration betrachtet werden kann (vgl. Ortsamt West o.J.).

Auch das Zentrum für Migranten und Interkulturelle Studien setzt sich seiner Tradition folgend noch heute für die Integration von Migrant*innen in die Gesellschaft und die Schaffung interkultureller Begegnungsmöglichkeiten ein. Das Angebot, das von Integrationskursen, Beratungsmöglichkeiten,  Kreativkurse bis hin zu Veranstaltungen im öffentlichen Raum reicht, richtet sich sowohl an ältere Migrant*innen (der ersten Generation) als auch an jüngere, kürzlich Zugewanderte und Deutsche.

 

Literaturverzeichnis:

Beitzer, Hannah und Thomas Hahn (2017): Sommerferien im ärmsten Viertel der Stadt. Süddeutsche Zeitung. URL: https://www.sueddeutsche.de/politik/democracy-lab-in-bremen-sommerferien-im-aermsten-viertel-der-stadt-1.3582590 (Zuletzt abgerufen: 13.09.2018).

Bremer Heimstiftung (o.J.): Stiftungsdorf Gröpelingen. URL: https://www.bremer-heimstiftung.de/wohnen/haeuser/stiftungsdorf-groepelingen/ (Zuletzt abgerufen am 05.09.2018).

Büchert, Gesa und Burkhardt, Hannes (2014): Migrationsgeschichte. Sammeln, sortieren und zeigen. Ein Leitfaden für Lehrkräfte an Gymnasien und Realschulen. Nürnberg: Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. URL: http://www.geschichtsdidaktik.ewf.uni-erlangen.de/migrationsgeschichte.pdf (Zuletzt abgerufen: 13.09.2018).

Dartan, Muzaffer und Eliş, Ali (2004): 40 Jahre Migration. Beiträge zum Thema Migration Türkei/ Deutschland. Bremen/ Istanbul: TDI Publikationen.

Determann, Eva (2017): »Man hat Arbeitskräfte gerufen« – Bremen und die Arbeitsmigration der 1950er und 1960er Jahre in der Ära Wilhelm Kaisen. In: Staatsarchiv Bremen in Verbindung mit der Historischen Gesellschaft (Hrsg.): Bremisches Jahrbuch Bd. 96, Bremen: Selbstverlag des Staatsarchivs Bremen, S. 207-228.

Dünzelmann, Anne E. (2005): Aneignung und Selbstbehauptung. Zum Prozess der Integration und Akkulturation von >GastarbeiterInnen< in Bremen. In: Sylvia Hahn, Christiane Harzig und Dirk Hoerder (Hrsg.): Transkulturelle Perspektiven, Bd. 3. Göttingen: V&R unipress.

Ortsamt West (o.J.): Gröpelinger Geschichten. URL: https://www.ortsamtwest.bremen.de/groepelingen/stadtteilgeschichte-1604 (Zuletzt abgerufen: 13.09.2018).

Sundermann, Sara (2017): Einwanderungsstadtteil Gröpelingen. Weserkurier. URL: https://www.weser-kurier.de/bremen_artikel,-Einwandererstadtteil-Groepelingen-_arid,1553455.html (Zuletzt abgerufen: 13.09.2018).